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Aachener Karneval

Aachener Rosenmontagszug (c) Andreas HerrmannAachen liegt im Rheinland, das wird nicht jedem auf den ersten Blick einsichtig sein, da der Rhein immerhin 75 km entfernt ist. Wer allerdings den Aachener Karneval kennt, kann kaum an dieser geografischen Zugehörigkeit zweifeln, denn neben Köln, Düsseldorf und Mainz ist Aachen eine ausgeprägte Hochburg der Anhänger dieser spezifisch rheinischen fünften Jahreszeit.

Mehr als 50 karnevalistische Gesellschaften und Korps stimmen ab dem "Elften im Elften" den Fastelovvend in der Kaiserstadt an und sorgen mit ihren Sitzungen für Frohsinn. Die ersten Karnevalsvereine wurden hier im Übrigen schon im frühen 19. Jahrhundert gegründet!

Der Rheinische Karneval, so wie wir ihn kennen, hat seine Ursprünge im 19. Jahrhundert. Das westliche Rheinland war von den Franzosen besetzt, politische Aktionen waren verboten: Aus Protest nahmen die Rheinländer das französische Militär auf die Schippe. Die humorvollen Reden vielleicht die Vorgänger unserer Büttenreden. Die Anleihen vom Militärischen  - Uniformen, Garden, Orden - bis heute sichtbar. Der erste Karnevalsverein in Aachen wurde 1829 gegründet, ein Jahr später gab es dann auch den ersten Prinz Karneval – früher noch „Held“ genannt.

„Oche alaaf“
An Karneval herrscht im Rheinland bekanntlich Ausnahmezustand. Zugezogene und Besucher sind erstaunt, wenn Menschen in bunten Kostümen durch die Straßen laufen und am Donnerstag die Läden bereits um 11 Uhr schließen – Der Aachener weiß: Jetzt ist Karneval! Die Devise der Öcher zum Karneval ist übrigens ebenso einfach wie markant: "Spaß an der Freud". Es wird gesungen und geschunkelt, getanzt, gelacht und gewitzelt. Mit einem Narrenruf begrüßen sich die aktiven Jecken an Karneval. Dieser Schlachtruf kann je nach jeweiliger Karnevalshochburg unterschiedlich sein. Der Aachener Narrenruf „Oche alaaf“ hat die Bedeutung: „Aachen über alles“ und orientiert sich dabei völlig an den volkstümlichen Obernarren - den Kölnern.

In verschiedenen Zeiten wurde unterschiedlich gefeiert. Schon die Germanen haben Karneval gefeiert. Mit bemalten oder maskierten Gesichtern verscheuchten sie unter viel Lärm die bösen Geister des Winters und erweckten dabei die guten Geister des Frühlings. Die Christen gaben dem Karneval schließlich seinen Namen, „carne vale“ (sich vom Fleisch verabschieden): Mit Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit vor Ostern – Grund genug um davor noch einmal kräftig zu feiern und zu schlemmen. So wird Blutwurst während dieser Tage noch bis heute unters jecke Volk gebracht und wenn „dr Zog kött“ regnet es Kamelle - schließlich darf man vor der Fastenzeit noch einmal richtig sündigen. So wird übrigens auch der Termin für Karneval festgelegt: Aschermittwoch ist 46 Tage vor Ostersonntag und Ostersonntag ist am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Damit liegt der Fettdonnerstag immer irgendwann zwischen dem 29. Januar und dem 4. März.

Höhepunkte der Karnevalssession
Eigentlich beginnt die Karnevalssession schon am „Elften im Elften“, genauer am 11. November um 11:11 Uhr. Da wird gefeiert und die Stadtteile und Vereine stellen ihre Prinzen oder Dreigestirne vor. So richtig los geht es nach einer besinnlichen Pause zu Weihnachten erst im Januar, wenn bei der Prinzenproklamation „seine Tollität der Prinz Karneval von Bad Aachen“ ausgerufen  wird: der uneingeschränkte Herrscher über Aachen während der Karnevalszeit. Erkennbar an Zepter, Mütze, Federn und Orden, immer in Begleitung seiner Garde. Und von da an hat der Prinz viel zu tun: Zahlreiche Bälle und Sitzungen folgen.

Höhepunkt der Session sind dann natürlich die „Tollen Tage“, die 6 Tage zwischen Fettdonnerstag und Aschermittwoch. Am Vorabend von Fettdonnerstag stürmen die Jecken unter Führung ihres Prinzen das Rathaus und halten ihre „närrische Ratssitzung“ ab. Fettdonnerstag ist fast wie ein inoffizieller Feiertag. In zahlreichen Geschäften und Einrichtungen wird nur bis Mittag gearbeitet. Traditionell ist es der Tag der „Weiber“: Ihre Lieblingskrawatte sollten die Männer an diesem Morgen lieber im Schrank lassen. Mit Scheren bewaffnet geht es manchem Mann im wahrsten Sinne des Wortes an den Kragen. In den folgenden Tagen gibt es zahlreiche Feiern, ob auf der Straße, in Kneipen oder im Zelt auf dem Katschhof.

Wenn „dr Zog kött“ regnet es Kamelle
Am Sonntag zieht der Zug des Kinderprinzen, dem Märchenprinz, durch die Innenstadt – natürlich um 11:11 Uhr, der magischen Uhrzeit im Karneval. Mittags ziehen dann auch die Stadtteilzüge in Richterich, Haaren, Eilendorf, Brand und Lichtenbusch los und lassen reichlich Kamelle auf die jecken Zuschauer regnen. Und dann kommt der Rosenmontag, der Tag auf den alle das ganze Jahr gewartet haben. „Dr Zog kött“, schallt es durch die Straßen („der Zug kommt“). Seit 1840 rollt der Rosenmontagszug jährlich unter einem neuen Motto durch die Aachener Innenstadt. Hunderttausende Besucher bejubeln die bunt geschmückten Karnevalswagen, Fußgruppen und Musikkapellen auf ihrem 6 Kilometer langen Weg.  

Beendet wird das jecke Treiben erst am Karnevalsdienstag, dem Veilchendienstag: Der Prinz wird aus seinem Amt entlassen und entkleidet. In einem Trauerzug wird der Tröötemann der Stadtwache Oecher Börjerwehr 1922 e.V. von seinem Aufstellungsort im Aachener Kapuzinerkarree feierlich zum Stadttheater geleitet, wo er gemeinsam mit den Fehltritten der Karnevalisten verbrannt wird.

Und was gehört in Aachen sonst noch dazu? Zum Beispiel die Puffel (Berliner), gefüllt mit Marmelade und manchmal auch Senf, die Muzenmandeln, die Pötsche (Küsschen), das Schunkeln und der Orden wider den tierischen Ernst. Erster Ordensritter war übrigens der ehemalige Militäranwalt James A. Dugdale. Er gewährte einem Sträfling während der britischen Besatzung Ausgang über Karneval, da er Rosenmontag für den höchsten Feiertag im Rheinland hielt. Der AKV (Aachener Karnevalsverein) würdigte diese Tat mit dem ersten Orden wider den tierischen Ernst.