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Der Vertrag von Aachen

Genau 56 Jahre nach Unterzeichnung des Elysée-Vertrags werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron einen neuen Freundschaftspakt am Dienstag, 22. Januar, besiegeln. Als Ort dieser Unterzeichnung ist Aachen ausgewählt worden. Offiziell wird vom „Vertrag von Aachen“ gesprochen.

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Sie treffen sich wieder in Aachen: Genau 56 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrages wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron einen neuen Freundschaftspakt am Dienstag, 22. Januar, in Aachen besiegeln. Oberbürgermeister Marcel Philipp wird die Staatsgäste im Rathaus empfangen. Foto: Michael Jaspers


Geplant sind eine Festveranstaltung am Morgen und ein Bürgerdialog am Mittag mit den Regierungschefs. Das Erste überträgt von 10.25 Uhr bis 13.30 Uhr live aus Aachen.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp sagt: „Wir freuen uns natürlich in Aachen sehr auf dieses Ereignis und über diese besondere Wertschätzung. Die Unterzeichnung des ,Vertrags von Aachen‘ in unserem Rathaus stellt die Bedeutung Aachens als Europa-Stadt und Stadt des Karlspreises heraus.“ Er fügt hinzu: „Dass wir so kurz nach dem Karlspreis 2018 mit dem Preisträger Emmanuel Macron und der Laudatorin Angela Merkel nun eine erneute Begegnung dieser beiden Regierungschefs in Aachen erleben, ist für uns auch ein schöner Hinweis darauf, dass es den beiden im vergangenen Mai gut in unserer Stadt gefallen haben muss.“

Die Vorbereitungen für die Unterzeichnung des neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrags, des „Vertrags von Aachen“, laufen angesichts des nur 14-tägigen Vorlaufs inzwischen auf Hochtouren. In Aachen werden derzeit in zahlreichen Gesprächen die Feierlichkeiten am kommenden Dienstag, 22. Januar, erarbeitet und vorbereitet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron werden den Vertrag im Krönungssaal des Aachener Rathauses in einer gut einstündigen Zeremonie, die um 10.30 Uhr beginnt, vor den Augen einer prominenten Gästeschar unterzeichnen. Um 12.15 Uhr folgt dann in der Aula Carolina ein einstündiger „Bürgerdialog“, bei dem sich Merkel und Macron Fragen von eingeladenen Gästen, darunter auch Aachener Bürgerinnen und Bürger, stellen werden.

Bei den Feierlichkeiten, zu denen am Dienstag auch zahlreiche hochkarätige Gäste mit Sonderfahrrechten kommen, wird es zu Einschränkungen im Straßenverkehr kommen. Auch werden einzelne Straßenzüge rund um das Rathaus mit Halteverboten belegt.

Ferner werden Geschäftsleute und Gastronomen am Markt, am oberen Teil der Krämerstraße zum Markt, oberer Teil des Büchels in Richtung Markt und in der Pontstraße zwischen Markt und Neupforte aus Sicherheitserwägungen der Landespolizei ihre Geschäfte bis in den Nachmittag geschlossen halten müssen. Die davon betroffenen Geschäftsleute erhalten von der Stadt Aachen, die die Kommunikation übernimmt, die entsprechende schriftliche Information. Die Stadt bittet schon jetzt um Verständnis für diese besondere Maßnahme bei diesem besonderen Anlass.

Auf dem Katschhof hat der Aufbau eines großen Zeltes begonnen, in dem das Pressezentrum mit 100 Arbeitsplätzen für Journalisten aus ganz Europa eingerichtet wird.

Der neue deutsch-französische Vertrag soll die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Kultur und Technologie vertiefen. Zuvor war über Monate hinweg unklar gewesen, wo der Text unterzeichnet werden sollte. „Zwischen der Spitze der Bretagne und der östlichen Spitze Deutschlands gibt es viel Platz, viele Orte“, hatte der Präsident der französischen Nationalversammlung, Richard Ferrand, erst im November gesagt. Am Ende ist nun die Wahl auf Aachen gefallen.

Der Elysée-Vertrag war am 22. Januar 1963 vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle in Paris unterschrieben worden. Er besiegelte 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Freundschaft der früher verfeindeten Länder.

Der 41 Jahre alte Macron hatte eine Neuauflage des Vertrags bei seiner Europa-Rede in der Pariser Sorbonne-Universität im September 2017 ins Spiel gebracht. Beide Länder verständigten sich dann in ihrer gemeinsamen Erklärung von Meseberg im Juni vergangenen Jahres darauf, bis Ende 2018 einen neuen Élysée-Vertrag auszuarbeiten.

Europafreund Macron hatte im Mai vergangenen Jahres in Aachen den Karlspreis erhalten. Der Präsident hielt damals Deutschland einen zu strikten Sparkurs und mangelnden Mut bei der Reform Europa vor.

Die geplante Unterzeichnung wird von Politikern in Nordrhein-Westfalen als besondere Ehre und Verpflichtung gesehen. Ministerpräsident Armin Laschet bezeichnete die Entscheidung, den neuen Freundschaftsvertrag als „Vertrag von Aachen“ am 22. Januar zu unterzeichnen, als „beispiellose historische Würdigung der Rolle Nordrhein-Westfalens“. „Aus dem Élysée-Vertrag wird der Vertrag von Aachen: die Erneuerung der deutsch-französischen Beziehungen bei uns, in der Stadt Karls des Großen“, sagt Laschet.