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50 Jahre Aachen - Reims

  • Älteste Aachener Städtepartnerschaft wurde in einer Feierstunde im Krönungssaal des Rathauses erneuert. Die beiden Oberbürgermeister Arnaud Robinet und Marcel Philipp unterzeichneten den Vertrag.
  • In ihren Reden stellten die Stadtoberhäupter die Städtepartnerschaft, die Freundschaft zwischen den französischen und deutschen Bürgern, als herausragende Basis für das Europa der Zukunft heraus.
  • Feiern zum Jubiläum werden im April in Reims fortgesetzt. Ein sympathisches Miteinander bei Printen und Champagner.

„Lang lebe die tiefe Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland, lang lebe die Städtepartnerschaft zwischen Reims und Aachen in einem Europa des Friedens und der Freiheit!“ Mit diesem Appell beendete Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen, seine mit viel Applaus bedachte Rede zu den Auftaktfeierlichkeiten der nun 50-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Reims und Aachen. Bei der von tiefer Zuneigung und Sympathie getragenen Feierstunde im Krönungssaal des Aachener Rathauses erneuerten die Oberbürgermeister der beiden Städte, Arnaud Robinet und Marcel Philipp, den Partnerschaftsvertrag mit ihren Unterschriften – und mit ihren eindringlichen Reden.

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Unterzeichnung des Erneuerungsvertrages zur Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Reims, die am heutigen 28. Januar 2017 50 Jahre besteht: Im Rathaus zeigen der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp und sein Reimser Kollegen, Bürgermeister Arnaud Robinet (Mitte), den Vertrag. Ihnen zur Seite stehen (von links) der französische Generalkonsul Vincent Xavier Joseph Muller, die französische Honorarkonsulin in Aachen, Dr. Angelika Ivens sowie für die Partnerschaftskomitees Catherine Delot (Reims) und Georg Schmidt (Aachen). © Stadt Aachen/Andreas Herrmann

Großartige Chöre aus Reims und Aachen singen zusammen
Einen feierlichen Rahmen setzten die beiden großartigen Chöre, das „Ensemble Vocal d’Enfants du Conservatoire de Reims“ (Leitung Yves Weeger) und der Mädchenchor am Aachener Dom (Leitung Marco Fühner), die am Ende sogar gemeinsam die beiden Nationalhymnen und Beethovens „Ode an die Freude“ sangen – junge Franzosen und Deutsche, die das Miteinander auf mitreißende Art leben und dafür mit großem Applaus beschenkt wurden.

Philipp stellte in seiner Rede, in der er zunächst die Ursprünge der Partnerschaft aus dem Jahr 1967 erläutert hatte (siehe Extratext unten), sehr klar die aktuellen politischen Herausforderungen des geeinten Europas heraus. Der Stellenwert einer Städtepartnerschaft wie der nun gefeierten zwischen Reims und Aachen helfe, Europa stark zu halten. „Europa ist der Sicherheitsriegel gegen einen Rückfall in Nationalismus, gegen innereuropäische Konflikte und letztlich gegen Krieg“, sagte der Aachener Oberbürgermeister. „Europa ist das große Friedenssicherungsprojekt der letzten Jahrzehnte. Die Arbeit an unserer Städtepartnerschaft ist Friedensdienst!“

Wider den aufkeimenden Nationalismus
Mit Blick auf den designierten Karlspreisträger Timothy Garton Ash thematisierte Philipp die aktuelle Bedrohung der europäischen Idee durch aufkeimenden Nationalismus: „Das Aufgebaute wird in Frage gestellt, schlecht geredet, für obsolet erklärt. Timothy Garton Ash beschrieb die Situation jüngst, dass wir konfrontiert seien ,mit der Globalisierung der Antiglobalisierung, einer populären Front von Populisten, einer Internationalen der Nationalisten‘. Wir spüren dies auch in unserer europäischen Nachbarschaft: Brexit, Europa-Feindlichkeit in vielen Ländern, populistische Bewegungen, die Wahlerfolge feiern, nationalistische Regierungen in EU-Staaten.“

Diese beunruhigende Situation werde auch Auswirkungen auf die Städteverbindungen haben. Philipp: „Die Bürgerschaften unserer Städte sind deshalb aufgerufen, dafür zu kämpfen, dass die alte Vision der Gründer aufrechterhalten bleibt, alles zu tun, dass die Völker zueinander finden statt sich voneinander abzugrenzen.“  

„Mit Toleranz und Frieden“
Wie Philipp erkannte auch Arnaud Robinet bei seiner Rede in der „cérémonie officielle“, „dass mit unserer Städtepartnerschaft, die die beiden historischen Krönungsstädte miteinander verbindet, nicht nur das historische Erbe geehrt wird, sondern auch das Europa von morgen gestaltet wird“. Robinet bekam viel Applaus für seine Forderung, „mit Toleranz und Frieden die Verantwortung für das Europa, in dem künftige Generationen miteinander leben, zu gestalten.“ Die Städte seien das Basislager jeder Demokratie, sagte Philipp. „Die Staatslenker vermögen nichts, wenn die Basis den von ihnen beschrittenen Weg nicht mitgeht.“

Der Aachener Oberbürgermeister formulierte einen Appell: „Lassen Sie uns gemeinsam in eine Zukunft gehen, indem wir uns weiter einsetzen für die deutsch-französische Freundschaft, für den Erhalt der Demokratie und unserer Freiheit, indem wir uns mit aller Kraft gegen diejenigen stellen, die zurückfallen wollen in Nationalismen, die Europa in Jahrhunderten so viel Leid gebracht haben! Lassen Sie uns weiter durch unsere Städtepartnerschaft Europa stärken, die Aussöhnung der Völker fördern, unsere Freundschaft leben und unsere Demokratie verteidigen!“

Die Begegnung als Basis des Miteinanders
Basis für das Miteinander, so die Oberbürgermeister, sei die Begegnung, der Austausch auf allen Ebenen. Wie exzellent dies in der Städtepartnerschaft Aachen-Reims funktioniert, stellten Philipp und sein französischer Amtskollege Robinet heraus, indem sie den Partnerschaftskomitees und ihren über die fünf Jahrzehnte aktiven Leitungen (derzeit Catherine Delot auf Reimser und Georg Schmidt auf deutscher Seite) dankten. Als besondere Geste der Anerkennung wurde der ehemalige Vorsitzende des Reimser Komitees, Henri Desdouits, für seine Verdienste mit dem Karlssiegel in Silber ausgezeichnet.

Die Feierlichkeiten zum Jubiläum der Jumelage waren somit angelaufen. Bereits am Freitag gab es ein Konzert in der Citykirche und anschließend einen Umtrunk im Centre Charlemagne, dem Aachener Stadtmuseum. Nicht geplante, aber umso herzlicher gefeierte, spontane Gäste waren Aachens Karnevalsprinz Thomas III. und sein Hofstaat, die mit allerbester Laune für gute Stimmung im Kreis der Städtepartner sorgten.

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Schon am Freitagabend gab es eine erste Begegnung im Centre Charlemagne. Spontaner und gern gesehener Gast war Karnevalsprinz Thomas III. mit seinem Hofstaat. © Stadt Aachen/Andreas Herrmann

Am Sonntag (29. Januar) wurde das Aachener Feierwochenende mit dem Karlsfest abgerundet. Der Tag begann mit dem Pontifikalamt im Dom (10 Uhr), ab 11 Uhr ging das bunte, mittelalterliche Treiben im Aachener Rathaus los. Mittendrin: die Reimser Delegation.

Der Gegenbesuch bei den französischen Freunden ist im April geplant, über das Jahr gibt es auf den unterschiedlichen Ebenen – von Schulen über Wirtschaft bis Kultur – zahlreiche Begegnungen.