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Das Archivale des Monats Februar 2019…

  • …. zeigt ein Foto mit Gästen eines Kostümfestes, das 1909 auf Einladung von Polizeipräsident Karl von Hammacher und seiner Frau im Burtscheider Kurhaus stattfand.
  • Damals feierte man in Aachen bereits ausgiebig Karneval, wenn auch manchmal anders als heute. Während die Arbeiterschaft und die schlechter bezahlten Angestellten während der Karnevalstage durch die Innenstadtstraßen zogen, vergnügte sich die betuchtere Gesellschaft gerne auf Bällen mit Kostümfesten.
  • Anfang des 20. Jahrhunderts war es nämlich üblich, die jeweiligen Karnevalsveranstaltungen unter ein Motto zu stellen, zu dem sowohl Kostüme wie auch Raumdekorationen passen sollten.
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Copyright © Stadt Aachen / Carl Ittner

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats. Das Archivale mit einem kurzen Begleittext wird entsprechend in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Das Archivale des Monats Februar 2019 zeigt so ein Foto mit Gästen eines Kostümfestes, eines „Gesindeballes“, der 1909 auf Einladung von Polizeipräsident Karl von Hammacher und seiner Frau im Burtscheider Kurhaus stattfand.

Februar 1909: Aachen feiert ausgiebig Karneval
Vor 110 Jahren feierte man in Aachen bereits ausgiebig Karneval, wenn auch in manchen Dingen anders als heute. Während die Arbeiterschaft und die schlechter bezahlten Angestellten in der Karnevalszeit vom 18. bis zum 22. Februar 1909 eher durch die Innenstadtstraßen und von Kneipe zu Kneipe zogen, vergnügte sich die betuchtere Gesellschaft gerne auf Bällen mit Kostümfesten. Weil es in diesem Jahr Streitigkeiten bei den Vorbereitungen gab, fiel der Rosenmontags-Zug 1909 relativ klein aus. Mit 16 Prachtwagen, 8 Einzelgruppen und 7 Musik-Korps zog er vom Aufstellungsplatz im Marienthaler Kasernenhof von der Franzstraße zwar durch die ganze Innenstadt, hatte aber nicht die Bedeutung wie heute.

„Im Diamantenlande von Südwestafrika“
Anfang des 20. Jahrhunderts war es Mode, die jeweiligen Veranstaltungen oder Veranstaltungsreihen unter ein Motto zu stellen, zu dem sowohl Kostüme wie auch Raumdekorationen passen sollten. So standen 1909 die Karnevalstage in Emil Nagels Hotel Kaiserhof (Ecke Theaterstraße/Wallstraße), damals eines der größten und bekanntesten Veranstaltungslokale, unter dem Titel „Im Reiche der Luft“. Im Karlshaus (Theaterplatz/Kapuzinergraben) hieß es in allen Sälen „Frühlings-Erwachen im Reiche der Dollarprinzessin“. Das Hotel Großer Monarch feierte in seinen Räumlichkeiten am Büchel „Ein Maskenfest auf Capri“. Und im Restaurant Elisenbrunnen war man „Im Diamantenlande von Südwestafrika“.

„Oche vör hondert Johr“
Auch große Vereine stellten ihre Veranstaltungen oft unter ein eigenes Motto. Die Allgemeine Radfahrer-Union veranstaltete zum Beispiel Karnevalssamstag in Bernarts Lokal in der Adalbertstraße einen Kostümball mit dem Titel „Alt Aachener Volksfeste“. Der Aachener Kegler-Verband e. V. lag dann mit seinem Kostüm- und Maskenfest am Fettdonnerstag in den gleichen Räumlichkeiten und dem Motto „Oche vör hondert Johr“ ganz nah an diesem Thema und konnte vermutlich die gleichen Dekorationen nutzen. Selbst Sportvereine wie der Aachener Allgemeine Turnverein oder der Fußballclub Alemannia und Gesangsvereine wie der Männergesangverein Concordia, das Aachener Männer-Quartett oder der Männergesangverein Harmonia veranstalteten eigene, große Maskenbälle und Kostümfeste.

Verkehrte Welt an Karneval - Herrschaften feiern Gesindeball
Die Eigenheit, die Veranstaltung unter ein eigenes Motto zu stellen, war auch bei geschlossenen Veranstaltungen zu finden, bei denen nur geladene Gäste Zutritt hatten. Das Archivale des Monats Februar 2019 zeigt so die Gäste einer solchen Veranstaltung, des „Gesindeballes“, der 1909 auf Einladung von Polizeipräsident Karl von Hammacher und seiner Frau im Burtscheider Kurhaus stattfand. Die dem begüterten Aachener Bürgertum angehörenden Gäste fanden offensichtlich ein großes Vergnügen daran, sich als ihr eigenes Dienstpersonal zu verkleiden. So sieht man auf dem Bild eine größere Anzahl von Köchen, Küchenhilfen, Wäscherinnen, Dienstmädchen, Butlern, Kutschern, Dienstboten - alle auf das Edelste gekleidet. Der Aachener Fotograf Carl Ittner hat die Gesellschaft zu einem Gruppenbild arrangiert, das trotz der Kostüme allein auf Grund der „Wohlgenährtheit“ der meisten Anwesenden, ihrer Körperhaltung und ihrer gepflegten Erscheinungen keinen Zweifel daran lässt, dass auf diesem Gesindeball eigentlich die Herrschaften feierten.

Dieses Bild ist mit dem Familienarchiv Janssen in die Bestände des Stadtarchivs Aachen gelangt. Das Familienmitglied Tilla Janssen, auf dem Foto in der zweiten Reihe von unten die fünfte Person von rechts, hat die Teilnahme auf diesem „Gesindeball“ offensichtlich so genossen, dass sie das Gruppenfoto als Erinnerung an dieses Ereignis ein Leben lang bewahrt hat.

Herausgegeben am 01.02.2019 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
fon: 0241/432-1309
fax: 0241/28-121
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