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AIS³ [aiskju:b]

Eröffnung Do 05.09.2019, 19.00 Uhr

Wie bereichernd das Zusammentreffen von Kunst und Wissenschaft für unsere Wahrnehmung sein kann, zeigt [aiskju:b], eine begehbare Licht- und Klangskulptur von Tim Otto Roth, die er mit Unterstützung de Physikalischen Instituts der RWTH Aachen realisiert hat und die nun nach fulminanten Präsentationen in Berlin und München in Aachen zu erleben ist. 444 illuminierte Lautsprecher machen den Versuchsaufbau und die Funktionsweise des IceCube Neutrino Observatoriums, des am Südpol gelegenen, größten Teilchendetektors der Welt, sinnlich erfahrbar. Dabei ist [aiskju:b] weit mehr als die Darstellung einer naturwissenschaftlichen Laborsituation, nämlich eine neue interdisziplinäre Kunstpraktik: [aiskju:b] ist Kunstwerk und psychoakustisches Grundlagenexperiment zugleich. Es lässt den Raum selbst zum Klanggenerator werden, in dem sich die Besucher*innen frei bewegen können.


IceCube und AIS³ [aiskju:b]
Das IceCube Neutrino Observatorium, kurz IceCube, ist das größte Teleskop der Welt. Mit über 5000 Lichtdetektoren misst es am Südpol in der absoluten Dunkelheit des tiefen antarktischen Eises minimale Leuchterscheinungen. Diese Lichtblitze gehören zu den wenigen Indizien für die Existenz der sogenannten „Geisterteilchen“ – den schwach wechselwirkenden Neutrinos –, von denen Milliarden pro Sekunde nicht nur unbemerkt durch unseren Körper fliegen, sondern problemlos die ganze Erde durchdringen.

Jüngste Daten aus dem IceCube-Experiment bilden die Basis für das in Aachen gezeigte Klanglaboratorium. Die gemessenen Neutrino-Energien werden in [aiskju:b] proportional in Farben und Töne übersetzt, die je nach Position im Raum zu unterschiedlichen mikrotonalen Klangfarben verschmelzen. Damit dies möglich wird, verlangsamt Tim Otto Roth extrem die mit Lichtgeschwindigkeit sich fortpflanzenden Lichtblitze zu durch den Raum propagierenden Bewegungen. Es ist ein kompositorisches Spiel mit Zeit, bei dem im Wesentlichen durch die Wahl der Zeitfenster das Klangereignis geformt wird. Roth arbeitet aber nicht nur mit elaborierten Messdaten, sondern auch mit Livedaten, die nur mit geringer Verzögerung nach Aachen übertragen werden, sowie auch mit Rohdaten, bei denen das niederfrequente Rauschen der einzelnen Lichtdetektoren in ein oszillierendes Klangfeld tiefer interferierender Töne übersetzt wird.

AIS³ [aiskju:b]: Land Art und Klanglaboratorium
Der Ton-Raum, den Tim Otto Roth mit [aiskju:b] entwickelt hat, lässt sich als Land Art unter erweiterten kosmisch-akustischen Vorzeichen begreifen. Es ist hier den Besucher*innen möglich, in eine unsichtbare, kaum fassbare Natur einzutauchen. Das Einzigartige an [aiskju:b] sind die 444 kugelförmigen, im Raum verteilten Klangquellen, die ein ganz besonderes immersives und körperliches Erlebnis ermöglichen. Durch die gleichzeitige Übersetzung der Tonhöhen in farbiges Licht bekommen die Besucher*innen einen komplementären Zugang zum Klangerlebnis. Der Künstler und Komponist Tim Otto Roth erschafft so für die Besucher*innen eine Sphärenmusik des 21. Jahrhunderts.

Das wissenschaftliche Experiment und die Kooperation mit der RWTH Aachen
„Die Installation ist unbeschreiblich – einfach sensationell“, zeigt sich Prof. Dr. Christopher Wiebusch begeistert. „[aiskju:b] hat für mich die Daten, die ich schon so viele Jahre kenne, in einer anderen Form vor Augen geführt. Das hat mich erst einmal sprachlos gemacht.“ Prof. Wiebusch ist neben dem ehemaligen Sprecher der IceCube Kollaboration, Dr. Christian Spiering, einer der ‚Paten‘ und wichtigsten Unterstützer des Projekts. Ein Team aus Studierenden und Doktorand*innen des Physikalischen Instituts der RWTH hat Tim Otto Roth bei der Bearbeitung der Daten vom Südpol unterstützt und gemeinsam mit dem Künstler die Installation an der RWTH Aachen gebaut.
Begleitend zur Ausstellung werden Mitarbeiter*innen des III. Physikalisches Institut B, RWTH Aachen University, und Kunstwissenschaftler*innen die Arbeit von Tim Otto Roth sowohl kunsthistorisch als auch vor dem Hintergrund der Neutrinoforschung in Führungen beleuchten. Ergänzt wird das Rahmenprogramm durch drei Vorträge von Robert Barry, Prof. Dr. Wolfgang Ullrich und Dr. Sybille Anderl, die verschiedene Perspektiven des Kunstwerkes und des dahinterliegenden Künstlerselbstverständnisses vorstellen werden.

Idee: Dr. Andreas Beitin
Kurator: Dr. Christian Haring
Kooperationspartner: Prof. Dr. Christopher Wiebusch, III. Physikalisches Institut B, RWTH Aachen University

Herausgegeben am 04.09.2019 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
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fon: 0241/432-1309
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