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Von der Logopädin zur engagierten Erzieherin

  • „PiA“ als Chance: Nadia Rezaee durchläuft in Aachen eine dreijährige Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) zur staatlich geprüften Erzieherin.
  • Von Anfang an im Einsatz bei Kindern und Eltern.
  • Kooperation mit der Käthe-Kollwitz-Schule: Das Modell ist seit Sommer 2019 möglich.

Die Sache mit dem Händewaschen haben die Kinder der städtischen KiTa Reimser Straße bereits lange vor der Corona-Krise geübt. „Es macht ihnen Spaß, und es ist wichtig für ihr Leben, jetzt mehr denn je“, hat Nadia Rezaee (30) damals überlegt und diese spielerische Erziehungseinheit zum Thema einer ersten „Probe“ während ihrer Ausbildung gewählt. Ihre Anleiterin und Ausbildungsbegleiterin Nathalie Peters (38) war jedenfalls begeistert. „Probe“ bestanden.

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Mit „PiA“ auf dem Weg zur Erzieherin: Nadia Rezaee (links) und die fachliche Begleiterin Nathalie Peters (rechts) mit Kindern der städtischen KiTa Reimser Straße. (© Stadt Aachen/Andreas Herrmann)

Vorbedingung: eine abgeschlossene Berufsausbildung

Nadia Rezaee hat bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung, das ist Bedingung, wenn man am Modellprojekt „PiA“ teilnehmen möchte: Sie ist Logopädin, hat in Belgien die Schule besucht und nach dem Abitur in den Niederladen Logopädie studiert. „Ich wollte von Anfang an mit Kindern und Erwachsenen arbeiten“, sagt sie. „Ich hatte dann als Logopädin Patienten im Alter von zwei bis 90 Jahre, das war eine gute Aufgabe.“ Wortfindungsprobleme nach Schlaganfall, Lese- und Rechtschreibschwächen oder Stottern bei Jugendlichen, Wortschatzübungen mit Migranten – alles spannend. Doch im Laufe der Zeit rückte bei der Logopädin der Wunsch in den Vordergrund, Kinder komplexer pädagogisch zu begleiten – als Erzieherin mit vielschichtigen Aufgaben in einer Kindertagesstätte.

Der inzwischen für sie ideale Weg heißt „PiA“, die Praxisintegrierte Ausbildung, die in Aachen seit Sommer 2019 möglich ist. Dabei findet ein Großteil der Ausbildung unmittelbar in der KiTa statt – in Aachen in Kooperation mit der Käthe-Kollwitz-Schule. Für die Arbeit in der KiTa zahlt ihr die Stadt von Anfang an ein Ausbildungsgehalt. Nathalie Peters, die Nadia Rezaee dabei begleitet, weiß, was es bedeutet, sich beruflich neu zu orientieren. „Meine Eltern haben eine Bäckerei, also wurde ich nach der Schule Bäckereifachverkäuferin“, erzählt sie. Ein anderer Berufswunsch, die Freude an der Arbeit mit Kindern und deren Eltern waren irgendwann auch bei ihr stärker – und nun steht sie denen verständnisvoll zur Seite, die gleichfalls mutig neue Schritte gehen.

Drei Jahre Ausbildung mit vielen Praxisanteilen

Die Ausbildung von Nadia Rezaee zur staatlich geprüften Erzieherin dauert drei Jahre, wobei das erste bis dritte Halbjahr zwei Tage Praxis und drei Tage an der Käthe-Kollwitz-Schule/Berufskolleg der StädteRegion bedeuten. Vom vierten bis sechsten Halbjahr wird sie drei Tage in der Kindertagesstätte sein und nur noch zwei Tage in der Schule. Hinzu kommt ein 900-Stunden-Praktikum – voraussichtlich an der Offenen Ganztagsschule Stolberg.

Kinder und ihre Entwicklung – für die angehende Erzieherin gibt es täglich neue und faszinierende Entdeckungen, verbunden mit dem Bewusstsein großer Verantwortung. „Ich musste mir zum Beispiel überlegen, wie ich so kleinen Mädchen und Jungen klarmache, was Bakterien oder Viren bedeuten.“ Mit bunten Farben wurde sichtbar, was normalerweise nicht zu sehen ist. Bakterien oder Viren als Farbtupfer, die nicht auf die Hände gehören und nach dem richtigen Waschen zuverlässig verschwinden – das konnten sich alle merken.

Theoretischer Unterricht an der Käthe-Kollwitz-Schule

Die Aufgabe ihrer Betreuerin ist es nun, sie von einem Lernfeld zum anderen zu führen, ihr praktische und umfassende Einblicke in die Entwicklungspsychologie von Kindern zu geben und im Alltag mit all seinen Fragen beizustehen. „Viele Kinder bringen Traditionen und Verhaltensweisen von zu Hause mit, das muss man erkennen. Es ist wichtig, dass untereinander keine Vorurteile herrschen“, sagt Nadia Rezaee. Die Arbeit mit den Eltern ist dabei ein entscheidender Baustein für die Erziehung. „Es ist ein Unterschied, ob Kinder die Eltern mit anderen Geschwistern teilen oder allein mit ihnen sind“, betont sie zum Beispiel. Was im Unterricht an der Käthe-Kollwitz-Schule wissenschaftlich und eher theoretisch zur Sprache kommt, wird in der KiTa Realität. Da geht es darum, mit Gruppen pädagogisch zu arbeiten, Inklusion zu praktizieren, Erziehungs- und Bildungspartnerschaften mit den Bezugspersonen der Kinder zu gestalten und sogar Religionslehre und -pädagogik spielen eine Rolle.

Wichtig sind die jeweiligen Bedürfnisse und Entwicklungsphasen: Wann braucht etwa ein Kind besonders viel Nähe und baut Bindungen auf? „Die Kleinen malen gern und drücken sich damit aus, die größeren Kinder wollen irgendwann Regelspiele wie ,Mensch ärgere dich nicht‘ spielen, sie fordern das sogar ein, das signalisiert eine entsprechende Entwicklungsstufe“, weiß Nadia Rezaee. Die Erfahrungen der angehenden Erzieherin als Logopädin sind dabei in der Kindertagesstätte sehr willkommen. „Spiele haben viel mit Sprachverständnis zu tun, selbst Defizite können wir dabei schnell erkennen", sagt sie. „Wenn ein Kind dann in die Schule kommt, ist es bereits gut vorbereitet.“

Fachliche Begleitung ist wichtig

Damit das Regelwerk der Praxisintegrierten Ausbildung eingehalten wird, ist die fachliche Begleitung wichtig: Mit Nathalie Peters finden regelmäßige „Anleitergespräche“ statt, sie ist es, die ihre Auszubildende den Gruppen zuordnet oder, wenn nötig, auf Probleme aufmerksam macht, Denkanstöße gibt und den Überblick behält. Dabei ist Wertschätzung wichtig – sowohl in den Teams als auch bei den Kindern. Langeweile wäre ein Alarmzeichen: „Unsere Aufgabe ist es, Kreativität zu wecken, mit allerlei Materialien zu basteln. Kinder werden manchmal zu Hause früh schon mit Handyspielen und Konsolen beschäftigt, dabei entwickeln sie keine eigene Kreativität, das beobachten wir sehr genau“, betont Nathalie Peters, die weiß: Kinder, die sich langweilen, sind unruhig, unkonzentriert und letztlich unglücklich. Spielerisch gestaltet sich zudem das Lernen in der KiTa. Die Treppenstufen im luftigen Gebäude an der Reimser Straße tragen zum Beispiel große Zahlen, 1, 2, 3, 4, hinauf, hinab, ein Spiel, bei dem lustig gezählt wird – jedes Kind kann also mindestens bis 20 zählen, wenn es in die Schule kommt.

Sind die drei Ausbildungsjahre geschafft, wird Nadia Rezaee ihre Prüfungen absolvieren und im Rahmen eines Kolloquiums über ihre Aufgaben und Möglichkeiten als Erzieherin sprechen, eventuell ein Kinder-orientiertes Projekt vorstellen, das ihr besonders am Herzen liegt. Die Verbindung von Praxis und Theorie hat sie ja bereits über drei Jahre lang gelebt.

Mehr Infos zur Praxisintegrierten Ausbildung (PiA) unter www.kks-aachen.de.

Herausgegeben am 06.05.2020 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
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