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Zukunft der Mobilität

Verkehr in Aachen
Das Interesse war groß: Fast 300 Zuschauer besuchten die Veranstaltung „Mobilität in Aachen“ am Donnerstagabend (21. Januar), über 100 Tweets und Facebook-Anfragen, dazu weitere 60 Beiträge erreichten die Veranstalter, die Initiative Aachen und Stadt Aachen, während der rund zwei Stunden dauernden Podiumsdiskussion in einer Werkshalle von „Talbot Service“.

Alle Kommentarte und zusammenfassende Antworten der Verwaltung der Stadt Aachen finden Sie auf 6 Seiten zusammengefasst hier.

Impressionen der Veranstaltung sind in einem Video dokumentiert.

Hier gelangen Sie zu den Videos der Präsentationen:

Diese Vorträge lieferten zunächst den „Input“ für die anschließende Diskussion.
Publikum

Abnehmende Pkw-Nutzung bei den Jüngeren
Dr.-Ing. Tobias Kuhnimhof vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, präsentierte kenntnisreich und eloquent aktuelle Erkenntnisse aus den Verkehrswissenschaften: Seit rund 20 Jahren sei die Zeit, die in Deutschland pro Tag für Mobilität aufgewendet werde, praktisch unverändert: Sie liegt bei durchschnittlich 80 Minuten pro Person, 40 Kilometer werden täglich zurückgelegt. Der Anteil des Fahrrads habe sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt. Bei jüngeren Menschen sei seit den Nuller-Jahren eine abnehmende PKW-Nutzung festzustellen, die auf eine zunehmende Studierfreudigkeit der Unter-Dreißigjährigen zurückzuführen sei. Menschen ab 65 Jahren hingegen nutzen sehr viel stärker als in früheren Jahrzehnten das Auto. Kuhnimhof führt es auf einen „Kohorteneffekt“ zurück – die Einstellung zur Mobilität sei in dieser Altersgruppe in der Vergangenheit vor allem vom Auto geprägt worden, was sich jetzt fortsetze.

Der technische Fortschritt allein sei nicht in der Lage, die Umweltprobleme des Autos zu lösen, „ein Verhaltensänderung der Menschen ist also nötig, insbesondere auf lokaler Ebene“, schlussfolgert Kuhnimhof. Ruedi Ott, Ingenieur beim Tiefbauamt der Stadt Zürich, erläuterte die Anstrengungen, die die Stadt Zürich für einen verträglichen Stadtverkehr unternimmt: Gestützt durch einen Bürgerentscheid hat die Stadt im Programm „Stadtverkehr 2025“ den Auftrag erhalten, die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs zu begrenzen. Der öffentliche Personen-Nahverkehr hat in der Kantonshauptstadt einen Anteil von 80 Prozent, spezielle Ampelschaltungen sorgen für eine hohe Priorität für Busse und Bahnen. Die Zahl der Parkplätze sei sowohl nach oben als auch nach unten beschränkt: Neue Parkhäuser dürfen in Zürichs Innenstadt nur bei Abbau von Stellplätzen an anderer Stelle realisiert werden. Auch für die Kohlendioxid-Emissionen hat Zürich ein ehrgeiziges Ziel: 1 Tonne sollen es pro Person und Jahr im Jahr 2050 sein, 4,5 weniger als heute.

Straßen für schwächere Verkehrsteilnehmer gestalten
Einpendler sind für die Stadt Zürich eine große Herausforderung: 213.000 Menschen fahren täglich zu ihrem Arbeitsplatz in die 400.000 Einwohner zählende Großstadt. Zum Vergleich: In Aachen sind es 80.000 Einpendler. „Wir werden mit dem neuen Nahverkehrsplan die Leistung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs und seine Vernetzung in die Region noch einmal steigern“, meint Uwe Müller, Leiter der Abteilung Verkehrsmanagement der Stadt Aachen. „Wir möchten eine Stadt der kurzen Wege mit einer guten Erreichbarkeit sein, wir brauchen eine effiziente und bezahlbare Mobilität, eine hohe Verkehrssicherheit und wollen mit der Straßengestaltung auch den Ansprüchen der schwächeren Verkehrsteilnehmer gerecht werden. Mobilität soll komfortabel sein, mit wenigen Schlaglöchern auf den Straßen, geringen Lärmemissionen, einem reduzierten Flächenverbrauch ­- umwelt- und stadtverträglich.“
Uwe Müller - Bernd Büttgens
Uwe Müller, Bernd Büttgens © Stadt Aachen

„Attraktivität einer Stadt hat viel mit Mobilität zu tun“
Vor diesem Hintergrund werde der Verkehrsentwicklungsplan aufgestellt, weitere Maßnahmen sind die Bahnhofsprojekte Eilendorf, West, Richterich und Hauptbahnhof sowie die Radschnellwege, so Uwe Müller. Für Oberbürgermeister Marcel Philipp ist das Ziel „überall hinzukommen und dabei mehrere Alternativen zur Auswahl zu haben“ ein Qualitätsmaßstab von Mobilität in einer Stadt. „Die Attraktivität einer Stadt hat viel mit Mobilität zu tun. Es ist ein Stück Lebensqualität“, so der OB. Durch die Elektromobilität habe Aachen die Chance, sich schneller zu entwickeln als andere Städte. „Bei den Emissionen ist Lärm ein großes Thema“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp in der Podiumsdiskussion.

Michael Carmincke, Vorstand der ASEAG, versprach, in Sachen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit weiter voran zu kommen. Der Umbau des Gelenkbusses zum Elektrobus und die im Mobilitätsausschuss ganz aktuell beschlossene Anschaffung von weiteren Elektrobussen seien wichtige Meilensteine, so Carmincke. Prof. Dr.-Ing. Thomas Ritz von der Fachhochschule Aachen sieht in der Digitalisierung eine große Chance, die Mobilität der Zukunft gut zu organisieren. „Wir können die Informationstechnologien dazu verwenden, Fragestellungen interdisziplinär zu beantworten“, so Ritz.

Aufgrund der Fülle der über die sozialen Netzwerke übermittelten Fragen der Bürgerinnen und Bürger konnte nur ein kleiner Teil auf der Veranstaltung selbst behandelt werden. Auf www.aachen.de/clevermobil werden diese Fragen in Kürze zusammengefasst präsentiert und beantwortet.

Hans-Joachim Sistenich von der Initiative Aachen e.V. sieht in seinem Resümee der Veranstaltung Aachen „auf dem richtigen Weg in die richtige Richtung. Es sind wichtige Startsignale gefallen, um neue Technologien zu nutzen. Beim Radverkehr müssen wir nachlegen, der Bus kann nur leistungsfähig sein, wenn er auch durchkommt.“
Podium2 Podiumsdiskussion: Oberbürgermeister Marcel Philipp, Michael Carmincke, Bernd Büttgens (Leiter des Fachbereichs Presse und Marketing der Stadt Aachen), Thomas Ritz, Tobias Kuhnimhof und Ruedi Ott. © Stadt Aachen