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75 Jahre Karlspreis: Festakt mit mahnenden Worten und einem Blick nach vorn

  • Aachen feierte das 75-jährige Bestehen des Internationalen Karlspreises mit einem großen Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses.
  • An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft teil, um die Bedeutung des Preises für die europäische Einigung zu würdigen.
  • Roberta Metsola, Präsidentin des Europäischen Parlaments, mahnte in ihrer Festrede vor inneren und äußeren Bedrohungen, betonte aber besonders die Chancen, die Europa jetzt habe.

Besonders war dieser Festakt am 15. März gleich aus zweierlei Gründen. Nicht nur, weil er anlässlich des 75. Jubiläum des Karlspreises veranstaltet wurde. Sondern auch, weil er ausgerechnet in eine Zeit fällt, in der Europa mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat. Wenig überraschend stand bei dieser Jubiläumsfeier deshalb kein selbstlobender Rückblick auf europäische Errungenschaften im Mittelpunkt, sondern drehten sich die Reden um akute Fragen nach Sicherheit, Demokratie und nach der wirtschaftlichen Zukunft Europas.

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Aachen feierte das 75-jährige Bestehen des Internationalen Karlspreises mit einem großen Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses. ©Karlspreis / Christian van’t Hoen

Im Krönungssaal des Aachener Rathauses erklang deshalb an diesem Samstagvormittag eine ehrliche Bestandsaufnahme. Eigens dazu angereist war Roberta Metsola, die Präsidentin des Europäischen Parlaments. Die 46-Jährige hielt vor dem Publikum im Krönungssaal des Aachener Rathauses eine ebenso leidenschaftliche wie unverblümte Rede, in der sie mahnte, dass „die gleichen Kräfte, die Europa vor 75 Jahren vorangebracht haben, auch heute die Union antreiben müssen - Frieden, Sicherheit und das immerwährende Versprechen eines besseren Lebens für unsere Menschen.“

Die Präsidentin thematisierte die Skepsis vieler Bürger*innen gegenüber der EU: „Zu oft fühlen sich die Menschen von der europäischen Politik nicht gehört“, sagte sie. Deshalb muss die EU „den Menschen zeigen, was sie an Europa haben, und wie Europa einen spürbaren Unterschied in ihrem Alltag macht“, sagte Metsola. Die Verleihung des Karlspreises sei eine Möglichkeit, genau das zu tun. „Schließlich sind es nicht Regierungen, nicht Institutionen, sondern Bürgerinnen und Bürger, die ihn verleihen – Menschen, die an Europa nicht als ein fernes Projekt oder eine abstrakte Figur auf einer Landkarte glauben, sondern als eine gemeinsame Verantwortung.“

„Die Zeit für Unentschlossenheit ist vorbei“

Aktuell bedeute diese gemeinsame Verantwortung, zu zeigen, dass die EU neben Handel und Freizügigkeit auch ein Projekt der Sicherheit und zur Verteidigung des Friedens ist. Dazu gehöre zum Beispiel die Unterstützung der Ukraine. „Unsere Sicherheit und die Sicherheit der Ukraine sind untrennbar miteinander verbunden. Die Zeit für Unentschlossenheit ist vorbei. Jetzt müssen wir handeln.“

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Die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola hielt die Festrede. ©Karlspreis / Christian van’t Hoen

Deshalb brauche es nun mehr Investitionen in Verteidigung, eine stärkere europäische Zusammenarbeit und einen starken Binnenmarkt. „Ohne eine starke, wettbewerbsfähige, faire und offene Wirtschaft sind wir nicht in der Lage, in unsere Sicherheit und unsere Menschen zu investieren“, so Roberta Metsola.  Sie sprach sich dabei für eine starke gemeinsame Finanzpolitik und eine bessere Energieversorgung aus. Und dann, nach all den Worten der Mahnung, wagt Metsola einen hoffnungsvollen, aufmunternden Ausblick: „Wenn uns das gelingt, und wenn wir mutig sind, liegen die besten Tage Europas noch vor uns.“

Europa als „lebendiges Versprechen“

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Herzlicher Empfang am Markt. Roberta Metsola, Dr. Jürgen Linden und Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. ©Karlspreis / Christian van’t Hoen

Ein ähnlich kraftvolles Statement ließ auch Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen in ihrem Grußwort anklingen. Wie ein roter Faden zog sich der Aufruf zu mehr Engagement durch ihre Rede. „Lasst uns in diesem Jubiläumsjahr zeigen, dass Europa keine ferne Institution ist, sondern ein lebendiges Versprechen“, formulierte sie und betonte die Verantwortung, die jede Generation für das europäische Projekt trage: „Die Vision von europäischer Verständigung und Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss von jeder Generation neu errungen werden, wie uns die gewaltigen Herausforderungen zeigen, vor denen wir heute, 75 Jahre später, wieder stehen.“ Ihre Botschaft war eindeutig: Europa muss handlungsfähig bleiben und darf nicht erstarren.

„Europa und das europäische Lebensmodell sind etwas Besonderes“

Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, schloss sich dieser Botschaft an und mahnte, in Zukunft noch mehr darauf zu achten, die Bedürfnisse aller Europäer*innen im Blick zu haben. „Europa und das europäische Lebensmodell sind etwas Besonderes – allerdings sollten wir dessen Privilegien auch auf diejenigen beziehen, die sich vernachlässigt fühlen,“ erklärte Linden. Der Karlspreis sei demnach eine Plattform für Impulse. „Mit dem Karlspreis wollen wir die Politik in einem europäischen Sinne beeinflussen und jene hervorheben, die sich auf unterschiedliche Weise um die Einheit Europas verdient gemacht haben.“ Sei es klassisch in der Politik, in der Wissenschaft oder in der Kultur.

Podiumsdiskussion

Um dieses Zusammenspiel sollte es ebenfalls in der anschließenden Podiumsdiskussion gehen. Neben Roberta Metsola und Jürgen Linden saßen die Karlspreis-Stipendiatin von 2020/21 Dr. Hannah Pool und der Jugendkarlspreisträger von 2020 Dr. Simon Strauß mit auf der Bühne. Hannah Pool ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut in Köln und forschte während ihres Stipendiums zu der Frage, wie Freizügigkeit die Solidarität innerhalb der EU prägt. Sie sprach über die Rolle der Wissenschaft für die europäische Gemeinschaft. „Wir hören momentan vielerorts, dass wir für Europa kämpfen müssen. Ich richte diese Frage deshalb an alle: Was ist es, wofür Sie kämpfen?“ Für sich hat Pool eine klare Antwort gefunden. „Ich kämpfe für die Wissenschaftsfreiheit. Für mich bedeutet das, immer wieder aufs Neue experimentieren zu können, weltweit mit anderen Wissenschaftler*innen zu kooperieren und Demut zu haben. Leider aber wird die Freiheit der Wissenschaft weltweit, und leider auch in Europa, aktuell zunehmend in Frage gestellt.“

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Auf dem Podium diskutierten (v.l.n.r.) in der Moderation von Joachim Sina die Karlspreis-Stipendiatin von 2020/21 Dr. Hannah Pool, Roberta Metsola, der Jugendkarlspreisträger von 2020 Dr. Simon Strauß und Dr. Jürgen Linden. ©Karlspreis / Christian van’t Hoen

Jugendkarlspreisträger Simon Strauß wurde seinerzeit für das Projekt „European Archives of Voices“ ausgezeichnet und ist heute Redakteur im Feuilleton der F.A.Z. Er akzentuierte, dass die Rolle von Kultur in der europäischen Verständigung nicht vernachlässigt werden dürfe. „Ideen wie Anstand, Gerechtigkeit und Freiheit – all das sind Werte, die aus den unterschiedlichsten Bereichen unserer Kultur zusammengesetzt sind: aus der Philosophie genauso wie aus dem bürgerschaftlichen Engagement.“ Er plädierte, dass Europäer*innen nicht nur bemängeln, was schlecht laufe, sondern sich stärker auf das besinnen sollte, was sie eine: „Wir müssen uns darauf konzentrieren, wofür wir stehen, nicht wogegen.“

Renommierte europäische Auszeichnung

Begleitet wurde der Festakt mit Auftritten des bekannten Aachener A-Capella-Chors „Flow“. Der Internationale Karlspreis von Aachen ist nach Karl dem Großen benannt und gilt als eine der renommiertesten europäischen Auszeichnungen. Seit 1950 ehrt er Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in besonderer Weise um die europäische Einigung verdient gemacht haben.

 

 

 

Herausgegeben am 17.03.2025

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